Bildung

Bildung ist eines der zentralen Themen für die Arbeit des Bundesraat för Nedderdüütsch - die Zukunft der Sprache ist die Generation der Kinder und Jugendlichen. Hier gilt es, das Niederdeutsche fest in den Bildungslänen zu verankern.



Niederdeutsch in der Schule – Grundsätze zur Bildungspolitik

beschlossen vom Bundesraat för Nedderdüütsch im Oktober 2013

 

Der Bundesraat för Nedderdüütsch hat in den vergangenen Jahren vor dem Hintergrund der Europäischen Sprachencharta und seiner „Schweriner Thesen zur Bildungspolitik“ von 2007 daran gearbeitet, Niederdeutsch als Schulfach in den „Charta-Ländern“ zu etablieren. Inzwischen zeigt sich, dass in der sprachenpolitischen Diskussion eine Fokussierung der aktuellen Forderungen auf das Handlungsfeld Schule geboten ist. Politischer Anspruch und praktische Ermutigung müssen dort nachhaltig zur Wirkung gebracht werden. Darum legt der Bundesraat im Folgenden Grundsätze zu Niederdeutsch in der Schule vor.

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Schweriner Thesen zur Bildungspolitik PDF

beschlossen vom Bundesraat för Nedderdüütsch am 4. Oktober 2007

 

Die vielfältigen Bemühungen um den Erhalt der niederdeutschen Sprache zeigen immer deutlicher, dass die Anstrengungen für den Erhalt der niederdeutschen Sprache ohne systematische Einbeziehung von Kindertagesstätten und Schulen nicht erfolgreich sein können. Insofern fällt allen Bildungseinrichtungen, die eine Regional- oder Minderheitensprache vermitteln, eine hervorgehobene Rolle zu. Durchaus verbreitet ist das Konzept der Sprachbegegnung. Diesem kommt hinsichtlich der Akzeptanz und der Wertschätzung der niederdeutschen Sprache in der Gesellschaft eine große Bedeutung zu, sie genügt aber nicht den Anforderungen des Spracherhalts. Seit seinem Bestehen setzt sich der Bundesraat för Nedderdüütsch dafür ein, gemeinsam mit den Bundesländern Konzepte zu entwickeln, welche über die punktuelle Sprachbegegnung hinausreichen. Er wirbt dafür, Abstimmungen und Standardisierungen zwischen diesen Bundesländern zu vereinbaren. Vor diesem Hintergrund verabschiedete der Bundesraat för Nedderdüütsch im Oktober 2007 die „Schweriner Thesen“.

 

  1. Der Bestand des Niederdeutschen in Norddeutschland ist gefährdet. Die Bildungseinrichtungen sind gefordert, dem Rückgang entgegenzuwirken und sich der Aufgabe des Spracherwerbs anzunehmen.
  2. Um die plattdeutsche Sprache dauerhaft zu sichern, bedarf es eines Gesamtkonzeptes, das sich über alle Altersgruppen erstreckt und die Bereiche Kindergarten, Schule, Hochschule sowie Erwachsenenbildung umfasst.
  3. Die Bildungsinstitutionen sind gefordert, noch offensiver für Sprachenvielfalt und Mehrsprachigkeit einzutreten und das Niederdeutsche als positiven Beitrag zu einer kulturellen Vielfalt herauszustellen. In diesem Rahmen kann Niederdeutsch einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau und zur Festigung regionaler Identitäten leisten.
  4. Die guten Vorbilder zweisprachiger Kindergartenarbeit (etwa in Vorpommern, Nordfriesland und Ostfriesland) gilt es zu verstetigen. Daneben sind Strategien und Verfahren zu entwickeln, damit diese Vorbilder in andere Regionen ausstrahlen können.
  5. Im schulischen Bereich bedarf es dringend einer Abstimmung zwischen den acht Bundesländern, in denen Niederdeutsch gesprochen wird. Analog zu den anderen Unterrichtsgegenständen ist ein Grundkonsens herzustellen, etwa hinsichtlich der Positionierung im Lehrkanon und der Lernziele.
  6. Als Bildungsangebot richtet sich Plattdeutsch grundsätzlich an alle Schüler. Dies geschieht nicht allein aufgrund der regionalkulturellen und historischen Bedeutung dieser Sprache, sondern auch, weil sie mit Blick auf den Ausbau kognitiver Fähigkeiten Gleiches leistet wie jede andere Sprache auch.
  7. Niederdeutsch ist als eigenes Schulfach mit festem Stundenkontingent zu unterrichten. Nur so ist ein fundierter und auf Kontinuität angelegter Spracherwerb in der Regionalsprache sicherzustellen. Der Europarat teilt diese Position ausdrücklich.
  8. In den Bildungsplänen für den Deutschunterricht ist dem Niederdeutschen ein verlässlicher Platz zuzuweisen, und zwar unter dem Gesichtspunkt von Sprachbegegnungen, etwa in den Feldern „Nachdenken über Sprache“ oder „Literatur“.
  9. In der Ausbildung von Deutschlehrern sind verbindliche Niederdeutsch-Anteile vorzusehen, die für die erste und zweite Staatsprüfung relevant sind. Folglich ist dem Niederdeutschen an allen norddeutschen Hochschulen, die mit der Ausbildung von Lehrern befasst sind, ein fester Platz im Angebotskanon zuzuweisen.
  10. In allen norddeutschen Bundesländern ist eine Zusatzqualifikation „Niederdeutsch“ für Lehrer einzurichten. In Fortbildungsmaßnahmen sind auch die zahlreichen ehrenamtlichen Leiter von Arbeitsgemeinschaften einzubinden.
  11. Der Stand der akademischen Forschung und Lehre im Rahmen einer niederdeutschen Philologie ist auszubauen. Es ist unverzichtbar, dass jedes Bundesland seine in der europäischen Sprachencharta gegebene Verpflichtung einlöst. Ein Zusammenlegen von Verpflichtungen, wie es die Bundesländer derzeit andenken, widerspricht eklatant dem Geist der Sprachencharta.
  12. Die Bundesländer sind aufgefordert, für das Niederdeutsche einen Rahmenplan für das Konzept des lebenslangen Lernens zu entwickeln.
 



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